Die im Grenzraum Bayern-Österreich gelegenen Naturparke Ammergauer Alpen, Karwendel, Nagelfluhkette, Tiroler Lech und Weißbach sowie ALPARC CENTR'ALPS bauen im Projekt Naturparkmanagement 2030+ ein gemeinsames, grenzüberschreitendes sozial-ökologisches Monitoring auf, das nicht nur die Änderung der naturschutzfachlichen Qualität der Kulturlandschaft erfasst, sondern auch die gesellschaftlichen Ursachen für diese Änderung berücksichtigt und Handlungsempfehlungen liefert.
Das erste Naturparkmanagement 2030+ Projekttreffen des Jahres fand am 16.03.2026 beim Naturpark Tiroler Lech in Elmen (Österreich) statt. Vertreten waren alle Projektpartner der fünf beteiligten Naturparke sowie ALPARC CENTR‘ALPS. Im Mittelpunkt des Treffens standen die Berichterstellung und Abrechnung der ersten Berichtsperiode, der aktuelle Stand der Arbeitspakete sowie die weiteren Projektschritte.
Zentrale Elemente des Landschaftsmonitorings sind bereits funktionstüchtig und werden von den Naturparken genutzt. Es ist beispielsweise möglich Beobachtungen über mobile Endgeräte in die gemeinsame GIS-Datenbank aufzunehmen und dort entsprechenden Informationen zu hinterlegen. Die aktuelle Funktion umfasst Landschaftsmonitoring inklusive Fotodokumentation, Erfassung von Arten, insbesondere auch Neophyten, Informationen zu Akteuren, die die Flächen nutzen und die Verortung der Park-Infrastruktur wie Besucherinformation oder Monitoringgeräte. Das sozial-ökologische Monitoringsystem wird kontinuierlich weiterentwickelt, mit dem Ziel einer möglichst universellen Anwendbarkeit für unterschiedliche Schutzgebiete.
Aktuell wird insbesondere an der Integration von Fernerkundungsdaten gearbeitet. Hierzu finden regelmäßige Abstimmungen mit dem technischen Anbieter statt, derzeit mit Fokus auf der Klassifizierung von Landnutzungen. Parallel laufen derzeit noch die QGIS-Lösung des sozial-ökologischen Monitorings sowie die Karwendel-App parallel, eine Zusammenführung der Systeme wird weiterhin angestrebt. Langfristig soll das Monitoring auch auf weitere Schutzgebiete ausgeweitet werden. Das System ist inzwischen so weit entwickelt, dass es bereits von QGIS-geschultem Personal genutzt werden kann. Für interessierte Naturparke dürfte insbesondere der standardisierte Workflow inklusive Dateneingabe und Dokumentation von Bedeutung sein. Die Verbreitung der Informationen soll zunächst über Dachverbände und Netzwerke erfolgen.
Ziel ist es, ab 2027 weitere interessierte Parks in das Monitoring einzubinden. Der Naturpark Nagelfluhkette ist federführend an der Weiterentwicklung des Landschaftsmonitorings hin zu einer umfassenden Parkmanagement-App beteiligt. Neben dem Landschaftsmonitoring soll u.a. ein Entscheidungsbaum für Maßnahmen entstehen. Dabei steht insbesondere die Übertragbarkeit auf andere Schutzgebiete im Fokus. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die qualitative Akteursbeschreibung. Dabei werden relevante Akteure – wie etwa Landwirte – typisiert, räumlich verortet und logisch mit den zugehörigen Flächen verknüpft, stets unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Anforderungen.
Um die soziale Dimension des Monitorings abzubilden, soll außerdem im Sommer 2026 eine Besucherbefragung zur Wahrnehmung der Kulturlandschaft in den beteiligten Naturparken stattfinden. Nach dem erfolgreichen Pretest und der Auswahl geeigneter Fragen wird aktuell eine Offline-Lösung für Tablets programmiert. Ziel sind rund 100 Befragungen pro Park. Dabei wird berücksichtigt, dass der jeweilige Befragungsort einen wesentlichen Einfluss auf die angesprochenen Zielgruppen hat. Neben der Datenerhebung soll das Monitoring auch konkrete Maßnahmen implizieren und Bedarfe aufzeigen. Erprobte Beispiele hierfür sind: Naturschutzpläne für Almen, Freiwilligenarbeit sowie Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. ALPARC CENTR’ALPS begleitet das Projekt laufend und unterstützt dabei das Monitoring möglichst universell und damit für andere Schutzgebiete zugänglich zu gestalten.
ALPARC CENTR’ALPS übernimmt außerdem die interne und externe Kommunikation für das Projekt. Das sozial-ökologische Monitoring wurde bereits im Rahmen eines Netzwerktreffens Ende April vorgestellt. Zudem wird laufend über die Kanäle von ALPARC über den aktuellen Projektstand informiert. Das nächste Projekttreffen ist für Oktober 2026 geplant. Bis dahin sollen unter anderem die ersten Besucherbefragungen abgeschlossen sein. Das langfristige Ziel ist es, einen Wissensspeiches zur Naturparkfläche über Jahre hinweg aufzubauen.
Dieses Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert. ALPARC wird in diesem Projekt durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) kofinanziert.